Steinleiden8.4.2026·7 Min Lesezeit

Nierensteine: Wann sie gefährlich werden und wie wir sie behandeln

Eine Nierenkolik gilt als einer der stärksten Schmerzen, die der menschliche Körper produzieren kann. Etwa jeder zehnte Mensch in Deutschland erlebt einmal im Leben einen Nierenstein. Wir erklären, was dahintersteckt – und welche Behandlungen wir anbieten.

Von Manfred Grothus

Was sind Nierensteine eigentlich?

Nierensteine sind feste Kristalle, die sich aus Substanzen im Urin bilden – am häufigsten aus Kalziumoxalat (etwa 70 % aller Steine), seltener aus Harnsäure, Struvit oder Cystin. Sie entstehen in der Niere, können dort liegen bleiben oder in den Harnleiter wandern.

Größe und Lage entscheiden über die Symptome:

  • Bis 5 mm – gehen oft spontan ab, mit oder ohne Schmerzen
  • 5–10 mm – häufig behandlungsbedürftig
  • Über 10 mm – fast immer interventionsbedürftig

Wie fühlt sich eine Nierenkolik an?

Patienten beschreiben Nierenkoliken als wellenförmige, stärkste Schmerzen in der Flanke, die in die Leiste oder die Genitalregion ausstrahlen. Anders als bei Bauchschmerzen finden Betroffene keine entlastende Position – sie wälzen sich, gehen umher, suchen Bewegung.

Begleitsymptome:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Blut im Urin (oft mit bloßem Auge sichtbar)
  • Drang zum Wasserlassen, aber wenig Urin
  • Bei Infektbeteiligung: Fieber – Notfall!

Wann ist es ein Notfall?

Sofort in die Notaufnahme oder zum Urologen, wenn:

  • Fieber über 38,5 °C zur Kolik dazukommt
  • Sie nur noch eine Niere haben und die Schmerzen dort sitzen
  • Die Schmerzen mit normalen Mitteln nicht zu kontrollieren sind
  • Sie kaum noch Urin lassen

Ein infizierter aufgestauter Harnleiter ist lebensbedrohlich – hier zählt jede Stunde.

Diagnostik

In der Praxis machen wir bei Verdacht auf einen Stein:

1. Urinuntersuchung – Blut, Entzündungswerte, pH-Wert 2. Blutuntersuchung – Nierenwerte, Entzündungsmarker 3. Ultraschall – zeigt Aufstau und größere Steine 4. Bei Bedarf CT ohne Kontrastmittel – Goldstandard, zeigt fast alle Steine

Behandlungsoptionen

Konservativ (kleine Steine)

  • Viel trinken (3 Liter pro Tag)
  • Schmerztherapie mit Ibuprofen/Diclofenac
  • Alpha-Blocker (Tamsulosin) – erleichtern den Abgang
  • Wartezeit: bis zu 4 Wochen
  • Steinsieb verwenden – damit wir analysieren können, was es ist

Stoßwellen-Therapie (ESWL)

Von außen werden Stoßwellen auf den Stein gerichtet, die ihn in kleine Trümmer zerlegen. Die Trümmer gehen dann mit dem Urin ab.

  • Ambulant, ohne Schnitt
  • Geeignet für Steine bis ca. 2 cm
  • Erfolg abhängig von Steinhärte und Lage

Ureterorenoskopie (URS)

Über einen flexiblen Schlauch durch die Harnröhre erreichen wir den Stein direkt und zertrümmern ihn mit Laser. Stein-Reste werden gleich entfernt.

  • Sehr hohe Stein-Frei-Rate
  • Meist in Vollnarkose, kurzer Klinikaufenthalt
  • Heute Standard bei mittelgroßen Steinen

Perkutane Nephrolitholapaxie (PCNL)

Über einen kleinen Hautschnitt am Rücken direkt in die Niere. Wird bei sehr großen Steinen (über 2 cm) eingesetzt.

In unserer Praxis stellen wir die Diagnose, behandeln kleine Steine konservativ und überweisen für die operativen Verfahren in spezialisierte Zentren – mit der wir eng zusammenarbeiten.

Wie verhindern Sie weitere Steine?

Wer einmal einen Stein hatte, hat ein erhöhtes Risiko für weitere. Die wichtigsten Maßnahmen:

1. 2–3 Liter Flüssigkeit täglich – am besten Wasser oder Kräutertee 2. Mediterrane Ernährung – viel Gemüse, Obst, Olivenöl 3. Salzkonsum reduzieren – unter 5 g pro Tag 4. Tierisches Eiweiß moderat – nicht jeden Tag Fleisch 5. Kalzium nicht reduzieren – ein Mythos: Kalziumarme Ernährung erhöht das Risiko 6. Bei Übergewicht: abnehmen

Nach jedem Stein sollte eine Stoffwechsel-Diagnostik erfolgen, damit wir die individuelle Ursache und die richtige Vorbeugung finden.

Fazit

Nierensteine sind häufig, schmerzhaft – aber gut behandelbar. Mit moderner Diagnostik und gezielter Therapie können wir die meisten Fälle ambulant oder mit kurzem Klinikaufenthalt lösen. Wichtiger als die Akut-Therapie ist die Vorbeugung, damit Sie keinen zweiten oder dritten Stein bekommen.

Wenn Sie Beschwerden haben oder die Steine bei Ihnen wiederkehren: Termin buchen – wir schauen gemeinsam, was Sie konkret tun können.

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